Migränewarnhund



Im Assistenzhunde-Zentrum T.A.R.S.Q.® werden ausschließlich Hunde als Migränewarnhunde ausgebildet, die wirklich vor drohenden Migräneattacken warnen können. Warnhunde reagieren schon BEVOR die Migräneattacke eingetreten ist, indem sie rechtzeitig warnen!

 

Der Migränewarnhund bemerkt, wenn eine Migräneattacke naht. Durch das Warnen gibt der Hund seinem Menschen die Möglichkeit rechtzeitig Migränemedikamente einzunehmen, um die Attacke vollständig abzuwenden oder zu mildern. Für Betroffene ist dadurch die Bewältigung des Alltags besser möglich und sie fallen nicht tagelang wegen Migräneattacken aus. Zudem bleiben ihnen meist starke Schmerzen erspart. Die Lebensqualität wird stark gesteigert.

Die Fähigkeit zu warnen, bevor ein lebensbedrohliches Ereignis akut wird, kann ein Hund nicht erlernen. Entweder er besitzt diese Sensibilität für ein drohendes Ereignis oder nicht. Deshalb ist die Auswahl des richtigen Hundes, der über diese angeborene Fähigkeit verfügt, entscheidend. Nicht jeder Hund kann eine Migräne im Voraus erkennen.

Ein Hund muss als Warnhund geboren werden, man kann ihn nicht zum Warnhund machen!

Migränewarnhunde müssen eine Migräne von sich aus einige Minuten im Vorfeld merken wollen und ihren Partner darauf aufmerksam machen wollen. Der Migränewarnhund muss von sich aus agieren und bei dem Warnen nicht nur auf Kommandos reagieren. Dies stellt die Besonderheit und Schwierigkeit der Warnhunde dar. Möchte ein Hund den Betroffenen nicht auf die drohende Migräneattacke aufmerksam machen, wird er es nicht machen. Verfügt er nicht über die Fähigkeit Migräne im Voraus erkennen zu können, wird er diese nie anzeigen. Das zuverlässige Warnen im Vorfeld ist durch den Trainer oder Betroffenen kaum zu beeinflussen und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie der Fähigkeit des Hundes und der Bindung.

  1. Aufgaben eines Migränewarnhundes

Die Hauptaufgabe eines Migränewarnhundes besteht in dem frühzeitigen Warnen vor einer Migräneattacke. Der Warnhund bemerkt die Migräneattacke kurz bevor sie passiert und zeigt seinem Partner dies durch stupsen oder Pfote auflegen an. Die Art, wie der Warnhund vor einer Migräne warnt, ist bereits angeboren und muss nicht erst trainiert werden. Im Training lernt der Betroffene, worauf er bei dem Hund achten muss.

Zusätzlich kann der Migränewarnhund lernen Notfallmedikamente zu bringen. Meist ist dies jedoch nicht notwendig, da der Hund so frühzeitig warnt, dass der Betroffene sich noch selbst Medikamente holen kann.

Während der Ausbildung im Deutschen Assistenzhunde-Zentrum T.A.R.S.Q.® hilft der qualifizierte Assistenzhundtrainer dem Team, das zuverlässige Warnen zu fördern, zu erhalten und Fehler zu vermeiden, damit sich der Betroffene auf seinen Warnhund verlassen kann.

Dem Deutschen Assistenzhunde-Zentrum T.A.R.S.Q.® ist es besonders wichtig, dass sich Migräniker darauf verlassen können, dass ihre Warnhunde wirklich zuverlässig warnen.

  1. Wissenschaftliche Studien zu Migränewarnhunden

2012 wurde in der Fachzeitschrift „Journal of Alternative and Complementary Medicine“ eine Fallstudie von Dawn Marcus veröffentlicht. Die Studie untersuchte das Verhalten von Familienhunden, die bei Besitzern mit Migräne lebten und verändertes Verhalten ihrer Hunde in Verbindung mit Migräneattacken festgestellt hatten. Eindeutiges Warnverhalten wurde einige Minuten bis zu 24 Stunden vor dem Beginn von Migränesymptomen beobachtet. Verschiedene Hunderassen sowie Alter der Hunde, vom Welpen bis zum erwachsenen Hund, nahmen teil. Die Hunde zeigten das Warnverhalten innerhalb der ersten Monate, nachdem sie bei dem Migräniker einzogen. Das Warnverhalten der Hunde ähnelte demjenigen von Familienhunden, die bei Diabetikern warnten in der Studie von Wells und Kollegen, wie verstärkte Aufmerksamkeit, Lautäußerungen und den Migräniker mit der Pfote kratzen. In einem Fall hörte der Hund 20-30 Minuten vor einer Migräne mit Lautäußerungen auf und ignorierte selbst Reize, die ihn normalerweise zum Bellen veranlassen

Die Fallstudie zeigte, dass einige Familienhunde, die bei Migränikern leben vor einer Migräne warnen können.

2013 erschien in der Fachzeitschrift „Journal of Alternative and Complementary Medicine“ eine ausführliche Studie von Dawn Marcus „Survey of Migraine Sufferers with Dogs to Evaluate for Canine Migraine Alerting Behaviors”. An der Studie nahmen 1029 Erwachsene teil, wovon 552 (53,7%) Teilnehmer berichteten, dass ihre Hunde ein verändertes Verhalten entweder direkt vor einer Migräneattacke oder in der Anfangsphase der Attacke zeigten.

In der Studie zeigten die Hunde eine oder mehrere folgende Verhaltensweisen, wenn sie vor einer Migräneattacke warnten: 27% der Hunde warnten vor einer Migräneattacke indem sie den Migräniker anstarrten, 3,2% bellten den Migräniker an, 22,1% suchten Körpernähe und setzten sich z. B. auf den Migräniker, 78,1% wichen nicht von der Seite des Migränikers, 12% fiepten, 21,7% legten die Pfote auf und 27,9% zeigten anderes Verhalten, das nicht weiter benannt wird.

11,2% der Hund warnten 0-15 Minuten vor dem Einsetzen der ersten Migränesymptome, 15% 16-30 Minuten vorher, 13,9% 31-60 Minuten vorher, 12,9% zwischen einer und zwei Stunden vor den ersten Symptomen und 4,3% länger als zwei Stunden vorher. Bei 42,7% der Hunde waren allerdings schon die ersten Migränesymptome da, als die Besitzer das Warnverhalten bemerkten.

Die Rassen der Hunde die warnten teilen sich wie folgt auf:

100 Mischlinge warnten

99 Kleinhunderassen warnten (Chihuahua, Chinesischer Schopfhund, Zwergspitz, Toy- und Kleinpudel, Mops)

91 Terrier (Terrier und Pitbulls)

89 Sporthunderassen (Spaniel, Retriever, Pointer)

79 Hütehunderassen (Cattle Dog, Collie, Corgi, Deutscher Schäferhund, Sheltie)

63 Arbeitshunderassen (Akita, Dobermann, Dogge, Husky, Mastiff, Neufundländer, Portugiesischer Wasserhund, Rottweiler)

63 andere Rassen

46 Jagdhunderassen

Das Alter der Hunde machte keinen Unterschied auf das Warnverhalten. 14,6% der Hunde die warnten waren Welpen, die jünger als sechs Monate alt waren. 34,2% der Hunde waren sechs bis 12 Monate jung. 27,8% der Hunde mit Warnverhalten waren ein bis zwei Jahre alt und 23,4% älter als zwei Jahre.

Die Forscher gaben mehrere Beispiele für das beschriebene Warnverhalten der Teilnehmer der Studie an: Ein Hütehund, der bereits mehrere Obedience- und Agility-Titel erlangt hatte, ist normalerweise sehr gehorsam. Direkt bevor eine Migräneattacke beginnt, starrt der Hund die Besitzerin an und kann sich nicht beruhigen. Er weigert sich auf Kommandos wie „Sitz“ und „Platz“ zu reagieren. Die Symptome der Migräneaura beginnen erst 30 Minuten nachdem der Hund dieses Verhalten zeigt. Seitdem die Besitzerin den Zusammenhang zum Verhalten des Hundes und einer drohenden Migräne erkannt hatte, nimmt sie ihre Migränemedikamente ein, sobald der Hund dieses Verhalten zeigt. Nachdem sie ihre Medikamente einnimmt, beruhigt sich der Hund, legt sich zu ihren Füßen und schläft dort ein. Dieser Hund zeigte auch ähnliches Verhalten bei zwei Kollegen der Besitzerin, die ebenfalls unter Migräne leiden, allerdings mit einem kürzeren Abstand zum Beginn der ersten Migränesymptome.

Ein Sporthund beginnt ein bis zwei Stunden bevor die ersten Migränesymptome anfangen zu bellen, sich im Kreis zu drehen und seinen Schwanz zu fangen. Dies wiederholt er etwa alle 15 Minuten, bis die ersten Migränesymptome beginnen. Wenn die Migränesymptome beginnen, wird der Hund ruhig, weicht nicht von der Seite der Besitzerin und legt seinen Kopf auf ihren Schoß.

Ein drei Jahre junger Labrador-Pitbull-Mischling verändert sein Verhalten ca. 30 Minuten bevor die Migräne beginnt. Er fiept und rempelt fast wie unter Zwang immer wieder seine Besitzerin an. Er versucht seine Besitzerin zum Hinsetzen oder Hinlegen zu bekommen. Gelingt ihm das, setzt er sich auf sie und lässt sie nicht mehr aufstehen und gehen. Diese Besitzerin berichtete auch, dass ihr Hund sie nachts durch Lecken einer Gesichtsseite weckte woraufhin eine Migräneattacke folgte. Inzwischen nimmt sie ihre Medikamente, sobald sie dieses Verhalten bei ihrem Hund bemerkt.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass einer von vier Migränikern, die mit einem Hund leben, auffälliges Verhalten ihres Hundes bemerken, bevor die Migräneattacke beginnt.

2014 In einer sieben Jahre andauernden Verhaltensstudie fanden Forscher des Deutschen Assistenzhunde-Zentrums heraus, dass alle Hunde die Warnverhalten bei medizinischen Notfällen zeigen, nicht nur auf Unterzuckerungen und Überzuckerungen bei Diabetikern gleich reagierten, sondern ebenfalls auf fokale epileptische Anfälle, Migräneanfälle und lebensgefährliche Asthmaanfälle. An der Studie nahmen über Hunde in einem Alter zwischen drei Wochen und sieben Jahren teil, die über eine angeborene Fähigkeit verfügten zu warnen ohne Training erhalten zu haben. Das Warnen der Hunde zeigte sich durch stupsen an Hand, Ohr, Bein und Mund, lecken an Hand und Mund und Pfote auflegen und war bei allen Erkrankungen identisch. Hunde, die Unterzuckerungen anzeigten, warnten ebenfalls auf die selbe Art vor Migräneanfällen und fokale Anfällen im Vorfeld. Diese Beobachtung legte nahe, dass Hunde bei allen Erkrankungen, dasselbe bemerkten. Zwischen Mai 2013 und Februar 2014 führte das Team des Deutschen Assistenzhunde-Zentrums eine Studie mit 24 Teilnehmern und vierzehn Hunden durch. An der Studie nahmen sieben Typ 1 Diabetiker, ein Typ 2 Diabetiker, zwei Epileptiker mit fokalen Anfällen, ein Asthmatiker und ein Migräniker, sowie 12 gesunde Probanden teil, im Alter zwischen zehn und 63 Jahren. Alle vierzehn Hunde verfügten nachweislich über die angeborene Fähigkeit zu warnen und zeigten sowohl bei ihnen bekannten, als auch fremden Studienteilnehmern an. Unter den Hunden waren zwei Mischlinge, sieben Langhaar Collies, vier Lollies und ein Großpudel. Jeder Studienteilnehmer wurde über mehrere Tage mit verschiedenen Hunden beobachtet, wobei sich jedoch immer nur ein Hund gleichzeitig im selben Raum befand. Während dieser Zeit trugen alle Studienteilnehmer ein Puls Oximeter am Finger, das den SpO2 Wert des Studienteilnehmers dauerhaft bestimmte. Die Diabetiker maßen in kurzen Abständen den Blutzucker. Zu Beginn wurde von jedem Teilnehmer der normale SpO2 Wert bestimmt, während bei Diabetikern der Blutzucker optimal war und Epileptiker, Migräniker und Asthmatiker keinen drohenden Anfall hatten.
Bei den gesunden Studienteilnehmern warnte, während der gesamten Studie, keiner der Hunde und der SpO2 Wert veränderte sich nicht. Bei allen Diabetikern sank der SpO2 Wert um mindestens drei Einheiten gegenüber ihrem individuellen Normalwert, jedes Mal, wenn der Blutzucker in eine drohende Unterzuckerung sank oder drohende Überzuckerung stieg. Bei den Epileptikern sank der SpO2 Wert signifikant kurz vor einem fokalen Anfall. Bei dem Asthmatiker und Migräniker sank der SpO2 Wert ebenfalls kurz vor einem Anfall. Jedes Mal, wenn das Puls Oximeter das Sinken des SpO2 Wertes um drei bis vier Einheiten anzeigte, stand der Hund auf, ging zu dem Probanden und zeigte typisches Warnverhalten durch stupsen, lecken oder Pfote auflegen. Bei den Diabetikern sank der SpO2 Wert weiter bei Unterzuckerungen, bis um acht Einheiten, wenn der Diabetiker nach dem Warnen des Hundes nur verzögert Kohlenhydrate zu sich nahm, bis auf SpO2 91. Bei einem langsamen Sinken des Blutzuckers in eine Unterzuckerung trat abwechselnd mit normalen Werten mehrmals eine verringerte Sauerstoffsättigung auf, bis zur Hypoglykämie. Ebenfalls sank der SpO2 Wert weiter bei fokalen Anfällen und lebensbedrohlichen Asthmaanfällen, nachdem er in einigen Fällen kurzzeitig anstieg, um dann wieder zu sinken und normalisierte sich erst wieder, wenn der Blutzucker stabil war oder die Anfälle vorüber waren. Die Hunde warnten so lange, bis der SpO2 Wert wieder im Normbereich lag. Keiner der Hunde warnte, wenn der SpO2 Wert nicht um mindestens drei Einheiten sank.
Die Forscher kamen zu der Erkenntnis, dass die Hunde eine sinkende Sauerstoffsättigung wahrnehmen und diese verantwortlich ist, für das Warnen der Hunde. Durch eine sinkende Sauerstoffsättigung verändert sich die Atemgeschwindigkeit minimal und unmerklich für Menschen. Die Forscher gehen davon aus, dass Hunde die gering veränderte Atemgeschwindigkeit hören, da alle Warnhunde, bevor sie warnen deutliche Ohrenbewegungen zeigen, um ein Geräusch zu lokalisieren, bevor sie zu dem Betroffenen gehen.



  1. Voraussetzungen für einen Migränewarnhund

  2. Sie leiden unter starker Migräne, die Ihre Lebensqualität stark einschränkt und als Behinderung gilt.

  3. Sie sollten bereit sein auf jedes Warnen des Hundes zu reagieren und den Hund zu loben, wenn er warnt. Sie sollten bereit sein zu lernen, wie Ihr Hund warnt.

  4. Sie sind bereit und fähig eine enge Bindung zum Migränewarnhund aufzubauen und zu erhalten. Der Migränewarnhund muss die engste Bindung an den Betroffenen haben, damit er weiß auf wen er aufpassen soll. Alle anderen Familienmitglieder müssen ihre Interaktion mit dem Warnhund einschränken, um die Zuverlässigkeit des Warnens des Hundes nicht zu gefährden.

  5. Sie sind 24 Stunden mit dem Migränewarnhund zusammen. Sie halten sich immer in der direkten Nähe des Migränewarnhundes auf, damit er Ihnen im Notfall helfen kann.

  6. Der Migränewarnhund ist der einzige Hund im Haushalt, damit andere Hunde ihn nicht von seiner Aufgabe ablenken. Andere Tiere, Katzen usw. im Haushalt stellen kein Problem dar.